Ace-Rep #0: Ein asexuelles ABC: Was ist Asexualität?

“Asexuell? Ist das nicht Fortpflanzung durch Zellteilung?”

Nicht so ganz. Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, über die es allerdings sehr viele Stereotype und Missverständnisse gibt. Schätzungsweise 1 bis 8 % der Bevölkerung ist asexuell (Eukaryote Writes Blog 2017). Dementsprechend gering ist auch die Repräsentation dieser sexuellen Orientierung in Pop Kultur und im Allgemeinen, was zum Fortbestand von Stereotypen beiträgt. Daher werde ich in diesem Format erarbeiten, wie das Thema in narrativen Medien, beispielsweise Fernsehserien, verarbeitet wird und erklären, warum ich die Art der Repräsentation gut oder schelcht finde.

Um eine Grundlage dafür zu schaffen, werde ich heute zunächst versuchen, das Thema simpel und verständlich zusammen zu fassen und euch einen kleinen Überblick über das Thema zu verschaffen. Nächstes Mal folgt dann der offizielle erste Post zu diesem Format. Eine Bemerkung im Vorfeld: Meine Erfahrungen sind keinesfalls repräsentativ, da Asexualität ein eigenes Spektrum ist und sich dementsprechend die Ausprägung von Asexualität und die damit verbundenen Erfahrungen je nach Person unterscheiden können.

An dieser Stelle ein massives Shout out an AVEN, ohne die das in der Form nicht möglich wäre. AVEN steht für Asexual Visibility and Education Network und ist die Hauptquelle zu Asexualität. Dort findet man alle möglichen Informationen zum Thema. Ich berufe mich hauptsächlich auf AVEN und deren eigenes Wiki. Dazu gibt’s noch ein paar Memes, persönliche Erfahrungen und (schlechte) Witze, um das Ganze etwas interessanter zu gestalten. Also viel Spaß.

Die folgenden Memes geben einen ganz guten Einblick darin, wie es sein kann asexuell zu sein.




Aro Ace: Aromantisch und Asexuell, ja es gibt einen Unterschied zwischen sexueller und romantischer Anziehung

Was ist Asexualität?

Eine asexuelle (ace) Person empfindet keine sexuelle Anziehung. Es ist keine Entscheidung und keine Krankheit, die es einem nicht möglich macht, sexuell aktiv zu sein, man fühlt sich lediglich von niemandem sexuell angezogen oder hat nicht den Bedarf, mit einer Person zu schlafen. Das heißt allerdings nicht unbedingt, dass man keinen Trieb hat. Asexuelle können dennoch gerne Sex haben, sie fühlen lediglich keine sexuelle Anziehung.

Anziehung

Es gibt verschiedene Formen von Anziehung. Sexualität und Romantik haben an sich nichts miteinander zu tun und man kann und muss sie in diesem Kontext getrennt betrachten.

Eine asexuelle Person könnte sich romantisch zu einer anderen Person hingezogen fühlen und sich verlieben oder eine Person schlicht ästhetisch ansprechend finden. Ein gutes Beispiel, das ich dazu irgendwann gelesen habe und das das Ganze treffend beschreibt, war folgendes: Angenommen, man sieht ein schönes Bild. Es ist visuell ansprechend, aber dadurch wird man ja nicht sexuell erregt. Bei mir persönlich ist das auch bei Menschen so. Wenn ich eine hübsche Frau sehe, denke ich nicht: “Mit der will ich schlafen”. Ich habe einfach grundlegend keine Anziehung, für mich ist das Geschlecht dabei unabhängig.  Die romantische Anziehung kann aber je nach Person variieren. Darauf gehe ich später genauer ein.

Die Libido

Libido ist nicht gleich Anziehung!

Die Libido ist an sich ja nur der Sex-drive, Trieb oder wie man es nennen möchte. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber bei mir ist es so, dass ich einen Trieb habe, der sich auf nichts richtet. Sprich; mir geht niemand ab und der Trieb ist einfach da. Man kann ja masturbieren, dass dient dann aber lediglich der Triebbefriedigung, richtet sich auf nichts und hat keine tiefere Bedeutung.

Wie das mit Fantasien etc. zusammenhängt, ist ein eigenes Thema. Den Teil finde ich immer schwer zu erklären, aber für mich persönlich ist das einfach grundsätzlich getrennt von Anziehung und nur Ausdruck der Libido, die sich bei mir aber auf nichts richtet, wenn das Sinn macht. Ich weiß bei Fantasien von Vornherein, dass ich keine Lust und Ambition hätte, das umzusetzen und, dass da nur die Libido hervorkommt. Weil ich keine sexuelle Anziehung habe und sich der Trieb auf nichts richtet, ist für mich grundlegend eine gewisse Distanz zu Fantasien vorhanden, sie bedeuten nichts und das eine hat für mich mit dem anderen nichts zu tun, da ich auch im Alltag keine Anziehung empfinde. Fantasien ändern nichts daran, dass ich keine Anziehung empfinde. Besser kann ich das nicht erklären. Das ist nur auf mich persönlich bezogen, also keinesfalls repräsentativ. Letzteres gilt generell für alle Fälle, in denen ich über mich selbst spreche.

Das Ganze ist keine Krankheit, Störung oder Ähnliches und hat nichts mit erektiler Dysfunktion, unterdrücktem Verlangen, sexueller Aversion basierend auf Traumata oder sowas zu tun. Wenn man ace ist, unterdrückt man kein Verlangen oder Anziehung, sondern hat diese einfach nicht.

Das “Verlangen” und der Trieb hängen wiederum vom Individuum ab. Manche haben einen Trieb, aber keinen Bedarf an Sex mit Partner, andere haben vielleicht keinen Trieb (AVEN). Ergo kann man hierzu keine allgemeinen Aussagen treffen.

Ich schätze, ich habe eine recht starke Libido. Bei jedem Menschen kann das allerdings anders sein, wie bereits angedeutet. Es gibt auch Leute mit weniger oder ohne Libido. Da kann man, wie bei vielen anderen Dingen, nicht pauschalisieren. In einer Beziehung kann sich dies natürlich auswirken und sollte zur Zufriedenheit aller Beteiligten ausgehandelt werden. Wenn man in einer Beziehung mit einer asexuellen Person mit wenig oder ohne Libido ist, sollte man diese zu nichts nötigen. Das gilt für Beziehungen im Allgemeinen, unabhängig von Sexualität oder Geschlecht der involvierten Personen, nicht nur bezogen auf Asexuelle und führt uns zum Thema Beziehungen und Asexualität.

Das Geschlecht und Art der Beziehung sollten nicht so viel zählen. Der Wert liegt in der Beziehung an sich, egal ob diese platonisch, romantisch oder rein sexuell ist
Bild von Bob Dmyt auf Pixabay

Beziehungen und Asexualität

Wenn jemand asexuell ist, heißt dass nicht, dass die Person keinerlei Beziehungen möchte. Asexuelle können prinzipiell an romantischen Beziehungen interessiert sein, müssen sie aber auch nicht. Ich bin auch aromantisch, also habe ich daran kein Interesse. Aromantik ist ein eigenes Spektrum, worauf ich später separat eingehen werde.

Neben romantischen und sexuellen Beziehungen gibt es schließlich auch noch platonische und familiäre Beziehungen, die theoretisch jeder Mensch kennt. Nur weil man ace ist, ist man KEIN emotionsloser Roboter ohne jeglichen Bedarf an zwischenmenschlichem Kontakt. Man ist ganz normal und hat normale Bedürfnisse, allerdings keine sexuelle Anziehung und darauf basierend ein anderes Verhältnis zu Sexualität als eine sexuelle Person.

Vor diesem Hintergrund ist es extrem entwürdigend und respektlos, Asexuellen zu sagen, sie müssten nur die richtige Person finden oder ähnliches, zumal bei diesem Beispiel nicht zwischen Aromantik und Asexualität getrennt wird. Wenn man so etwas sagt, erkennt man schlichtweg nicht an, dass es neben sexuellen und romantischen “Lebenswegen” auch nicht-sexuelle und nicht-romantische gibt und spricht Menschen mit diesen Erfahrungen die Existenz ab. Das ist vergleichbar mit dem Verleugnen der Bisexualität einer Person nach dem Motto: “Du willst nur interessant sein” oder “Da kann sich jemand seine Sexualität nicht eingestehen/sich entscheiden”. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn, Identitäten und damit verbundene Probleme in ein Verhältnis zu setzen, allerdings zeigen diese Beispiele und Vergleiche einige Probleme, denen Asexuelle, wie auch Bisexuelle ausgesetzt sind.

Persönliche Einstellungen von Asexuellen zu Sex

Menschen und ihre Einstellungen zu Themen können sich unterscheiden. Das gilt auch für die Einstellungen gegenüber Sex. Dabei lässt sich zwischen gesellschaftlichen und persönlichen Einstellungen unterscheiden. Erstere lasse ich hier außen vor.

Allerdings ist, wie in einem vorherigen Post erarbeitet, der Großteil der (westlichen) Gesellschaften heteronormativ, weshalb eine gewisse Erwartungshaltung und damit verbundener Druck gegenüber nicht-heterosexuellen Personen und Menschen, deren Gender von der binären Einteilung abweicht, besteht. Das möchte ich hier betonen, weil diese Einstellung es den genannten Gruppen erschweren kann, ihre sexuelle Orientierung und Identität zu verstehen und zu akzeptieren. Wenn euch Heteronormativität interessiert, lest gerne meinen Post dazu. Dort behandelte ich die gesellschaftliche Einstellung zu Sexualität etc. in größerem Detail: https://sovlpvnk.com/2020/04/20/listen-in-1-ein-zeichen-gegen-heteronormativitat-und-toxische-mannlichkeit-lemon-party-von-letlive/

Da ich die gesellschaftlichen Einstellungen zu Sex im oben genannten Post bereits angesprochen habe, werde ich mich heute auf persönliche Einstellungen von Asexuellen zu Sex beschränken. Dabei lässt sich zwischen folgenden unterscheiden:

Diese Memes zeigen auf homorvolle Art und Weise, wie sich individuelle Einstellungen von Asexuellen zu Sex unterscheiden können

Sex-favorable: Man ist bereit für Kompromisse innerhalb einer Beziehung, beispielsweise in einer Beziehung ab und zu mit der anderen Person zu schlafen, trotz Asexualität

Sex-indifferent: Gleichgültigkeit gegenüber Sex, man hasst nicht die Vorstellung Sex zu haben, findet sie aber gleichzeitig nicht toll

Sex-averse/repulsed: grundsätzlich stark ablehnende Haltung gegenüber Sex, nicht bereit für Kompromisse, das kann auch zu verschiedenen Graden vorliegen. Die Person, von der das Meme rechts stammt, unterscheidet averse und repulsed, was impliziert, dass averse eine neutralere Haltung gegenüber Sex ist, die sich in Richtung einer Ablehnung lehnt, während repulsed dementsprechend absolut ablehnend gegenüber Sex heißen würde. Ich kenne die Person allerdings nicht, also sind das lediglich meine Schlussfolgerungen.

Hier ist auch wieder zu bemerken, dass das Ganze ein Spektrum ist. Man gehört nicht unbedingt einer dieser Kategorien an und kann Merkmale verschiedener Kategorien aufweisen, was nichts Schlimmes ist. Außerdem können sich die Einstellungen in verschiedenen Lebensabschnitten ändern oder variieren. Ich würde mich selbst als sex-indifferent bis averse bezeichnen. Ich bin allgemein eher gleichgültig gegenüber dem Thema und bin der Vorstellung nicht komplett abgeneigt, Sex zu haben. Allerdings habe ich gleichzeitig das Gefühl, dass ich mich einfach nicht wohl dabei fühlen würde und es mir daher auch echt unangenehm sein könnte. Teilweise neige ich also eher zu averse bis repulsed. Manchmal finde ich die Vorstellung von Beischlaf einfach unangenehmer als sonst.

Generell muss man nicht alle genannten Kriterien erfüllen können, um asexuell zu sein und das Maß, zu dem man sich mit dem Label und einzelnen Elementen davon identifiziert, kann variieren. Deshalb möchte ich hier asexuelle Identität und den Graubereich, im Englischen Grey Area, genannt, ansprechen. Letzterer ist Teil des asexuellen Spektrums, allerdings möchte ich ihn gerne separat ansprechen.

Asexuelle Identitäten

Man wird asexuell geboren und merkt das früher oder später. Ansonsten kann es sein, dass man sich phasenweise so identifiziert, weil man das Gefühl hat, sich mit dem Label treffend beschreiben zu können und das ist auch komplett legitim. Asexualität ist ein Label, dass man nutzen kann, um treffend seine Orientierung zu beschreiben. Wer sich als ace identifiziert, ist legitim und wenn es nur phasenweise ist, ändert das schließlich nichts daran, dass man sich zumindest zeitweise mit der Bezeichnung identifiziert hat. Daher sollte man sich nicht selbst fertig machen, dass man “aufgehört hat ace zu sein” oder ähnliches, da dadurch zumindest eine Person mehr über Asexualität Bescheid weiß und das ja eine positive Sache ist.

Ich spreche dieses Thema an dieser Stelle an, weil ich weiß, dass es folgendes Phänomen gibt: Asexuelle befürchten, dass sich ihre Sexualität ändern könnte und sie diese und ihre Identität neu reflektieren müssen. Gerade zum Beginn hatte ich ab und zu die gleichen Sorgen. Bei mir hat sich aber mit der Zeit herauskristallisiert, dass ich asexuell bin und die genannten Sorgen haben sich erübrigt. Selbst wenn sich etwas ändern würde, wäre das okay, aber ich mache mich lieber nicht im Vorfeld wegen dieser Möglichkeit verrückt. Ich kann die Probleme aber durchaus verstehen, weil es ein schwerer und frustrierender Prozess sein kann, seine Sexualität und Identität einzuordnen, nur um bei einer Veränderung erneut mit der Selbstreflexion anzufangen. Labels können hilfreich sein, aber meiner Meinung nach sollte man diesen nicht zu viel Platz in seinem Leben einräumen, um zu vermeiden, dass sie das eigene Leben komplett bestimmen.

Grey Area

Man kann sich mehr oder weniger asexuell fühlen, also zu einem größeren oder kleineren Grad damit identifizieren. Wenn man nicht alle Eigenschaften erfüllt, sich dennoch dem Ace-Spektrum zugehörig fühlt, kann dieses Label hilfreich sein, um die eigene Sexualität zu beschreiben. Auch, wenn man einfach keine klare Tendenz in der eigenen Sexualität erkennt, kann man sich grey labeln. Ob man sich dann auch als asexuell sieht, hängt von der jeweiligen Person ab. Davon abgesehen können sich Demisexuelle sowohl als ace oder grey identifizieren und Grey kann auch mit Hetero oder Homosexualität verbunden sein, je nach Person.

Wenn man es herunterbricht, ist der Graubereich also eine Grauzone, in die man eventuell fällt, wenn man Merkmale von Asexualität aufweist, sich aber nicht komplett mit dem Label identifizieren kann. Hier gilt auch, dass man selbst entscheidet, mit welchem Label man sich am wohlsten fühlt und welches man entsprechend nutzt.

A-Spec: Das asexuelle Spektrum

Wie bereits bemerkt, ist Asexualität keinesfalls homogen. Die Erfahrungen von Betroffenen können sich stark unterscheiden und dieses Spektrum kann dabei helfen, seine Gefühle und Identität einzuordnen. Das Folgende ist vielleicht nicht das gesamte Spektrum, aber dennoch solltet ihr dadurch einen groben Überblick über die Vielzahl von asexuellen Identitäten erhalten. Das aromantische Spektrum werde ich später separat behandeln, um Verwirrung vorzubeugen.

Wie ihr im Vorfeld sehen konntet, können sich Menschen als asexuell, grey-sexuell oder -romantisch identifizieren. Neben diesen Identitäten umfasst das Spektrum aber einige weitere Orientierungen, zum Beispiel Demisexualität oder -romantik. Demisexuell ist eine Person, die keine Anziehung empfindet, bis sich eine starke emotionale Verbindung zu einer Person geschlossen hat (Vgl. Pasquier 2018). Laut Pasquier basiert dies auf der primären und sekundären Anziehung. Erstere umfasst den ersten Eindruck und “oberflächlichere” Dinge, wie Aussehen und Geruch, während letztere die Beziehung und emotionale Verbindung zu einer Person beschreibt. Dies kann sich auf sexuelle und romantische Anziehung beziehen, weshalb man sich als demisexuell oder -romantisch identifizieren kann (Pasquier 2018).

Ein weiteres Paar an Identitäten sind Aceflux und Aroflux. Pasquier beschreibt sie wie folgt: “Someone who is aceflux or aroflux has a sexual/romantic orientation that fluctuates along the spectrum between asexual and sexual, and aromantic and romantic” (Pasquier 2018). Eine Person, die sich als ace- oder aroflux identifiziert, hat eine schwankende (fluktuierende) sexuelle oder romantische Orientierung und kann dadurch zeitweise auch aus dem A-Spec herausfallen (Pasquier 2018). Das verdeutlicht, dass Sexualität nichts Konstantes sein muss, sondern sich im Laufe des Lebens auch verändern und entwickeln kann, je nach Person und Orientierung. Im folgenden Kapitel werde ich Aromantik erarbeiten. Dadurch wird der Unterschied zwischen Ace- und Aroflux klarer werden.

Diese Bezeichnungen können verwirrend sein, aber sie können Menschen helfen, sich selbst zu beschreiben. Wie man sich identifiziert, liegt bei jeder einzelnen Person und niemand sollte sich da einmischen. Die Person wird schon wissen, wer er/sie/they ist und ist valide.

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Luke ist cool, er hat auch genug von dem Bullshit. Checkt raaven2619 auf tumbl ab. Dort gibt es mehr Memes und Content zu dem Thema

Was heißt es, “aromantisch” zu sein?

Laut AVENs wiki wird aromantisch wie folgt definiert: “An aromantic is a person who experiences little or no romantic attraction to others. People identifying as aromantic can also experience romance in a way otherwise disconnected from normative societal expectations (for example due to feeling repulsed by romance, or being uninterested in romantic relationships.)” (AVEN wiki). Sprich: man empfindet wenig oder keine romantische Anziehung und hat eine vom gesellschaftlichen Konzept der Romantik abweichende Vorstellung von Romantik.

Ferner gibt es Subkategorien, die sich daran orientieren, welchem Geschlecht man angehört und zu welchem Geschlecht man sich romantisch hingezogen fühlt. Darunter sind Heteroromantik, Homoromantik, Biromantik, Panromantik und Aromantik. Die ersten drei sprechen für sich selbst. Daher gehe ich nicht weiter auf sie ein. Panromantisch heißt, dass man unabhängig vom Gender oder Geschlecht romantisches Verlangen empfindet, während aromantische Personen keine romantischen Beziehungen anstreben. Ich selbst bin aromantisch und asexuell und quasi die Manifestation von Straight Edge. – I don’t drink, I don’t smoke, I don’t fuck. 😀

Die Hardcore-Band Minor Threat begründete mit diesem Song die oben von mir genannten Grundsätze der Straight Edge-Bewegung, in der man auf jegliche Drogen verzichtet

Je nach Person können sich, wie bereits angesprochen, die Präfixe unterscheiden. Beispielsweise kann man sich auch als greyromantisch oder demiromantisch identifzieren (AVEN).

Insbesondere im Kontext von Asexualität wird Aromantik oftmals angesprochen, weil man zwischen sexuellen und romantischen Orientierungen unterscheiden muss und dies die Abgrenzung erleichtert. Allerdings können auch Leute, die nicht asexuell sind, aromantisch sein, da die sexuelle Anziehung nicht zwingend etwas mit der romantischen Anziehung zu tun hat. Wie gesagt, helfen die Unterscheidungen insbesondere aromantischen und asexuellen Menschen, anderen zu erklären, wie ihre Gefühlswelt aussieht (AVEN).

gray aromantic pride | Tumblr
Die aromantische Pride Flagge

Das Aromantische Spektrum

Das aromantische Spektrum kann unter anderem folgende Teilbereiche abdecken. Ich persönlich kenne mich mit dem Teil des Spektrums nicht sehr gut aus, da für mich immer ziemlich klar war, dass ich einfach nur aromantisch bin. Diese Labels zeigen aber, wie kompliziert das Thema und auch der Prozess des Herausfindens sein kann und gleichzeitig, wie viel Humor damit verbunden sein kann.

WTF-romantisch: ‘WTF/quoiromanticism may include feeling neither romantic nor aromantic, finding the concept of romantic attraction to be confusing, finding the romantic/nonromantic distinction to be inaccessible in some way, or not seeing the lines between romance and friendship’ (AVEN wiki II) Wenn man sich also weder mit der Unterteilung in romantisch und aromantisch identifizieren, noch mit dem Unterschied zwischen freundschaftlicher und romantischer Beziehung etwas anfangen kann, kann man diese Bezeichnung zur Identifikation verwenden.

Lith-romantisch/akoiromantisch/apromantisch: Eine Person, die romantische Gefühle hegen kann, aber nicht möchte, dass diese erwidert werden. Beziehungsweise nimmt die Anziehung ab, wenn die Gefühle erwidert werden.

Reciproromantik/Reciprosexualität: das Gegenteil der lith-/akoi-/apromantischen Identität, eine Person empfindet keine Anziehung, es sei denn, die Person merkt, dass eine andere Person ihr gegenüber Anziehung empfindet (Pasquier 2018).

Ich denke, diese Beispiele verdeutlichen, wie verwirrend es sein kann, die eigenen Gefühle einzuordnen. Ich feiere ehrlich gesagt das Konzept von WTF-romantisch, da es meine Probleme mit der Unterscheidung von Freundschaft und Liebe widerspiegelt. Ich habe ein Konzept von Freundschaft, zu einem gewissen Grad auch von Romantik, aber was die gefühlte Abgrenzung zwischen einer Freundschaft und einer romantischen Beziehung angeht, habe ich nicht wirklich ein Konzept. Klar, man schläft miteinander und ich habe es mir immer etwas inniger vorgestellt als eine Freundschaft, da bei letzterer der sexuelle Aspekt fehlt. Gerade letzteres ist denke ich aber auf die heteronormative Einstellung der Gesellschaft zurückzuführen, weshalb ich das mittlerweile auch eher kritisch betrachte und das Ganze Konzept für mich noch weniger Sinn macht. Daher kann ich gut verstehen, dass man sich einfach nur denkt: What the fuck?

Darüber hinaus gibt es aromantischen Slang, wie “Squishes” und “no romo”. Ersteres ist ein platonisches Äquivalent zu einem Crush, also Verliebt-Sein. Man strebt eine platonische Beziehung zu einer Person an. “A squish is a strong desire for some kind of platonic (nonsexual, nonromantic) connection to another person” (AVEN wiki). Es ist also wie Verliebt-Sein minus romantischen oder sexuellen Aspekt, also auf rein freundschaftlicher Basis. Ich hatte schon öfter squishes, die darin zum Ausdruck kamen, dass mir eine Person einfach sympathisch war und ich mir dachte, es wäre cool mit dieser Person befreundet sein. Für mich waren Squishes also oft der Anfang einer Bromance.

“No romo” ist eine Parodie zum homophoben “no homo”. Es ist eher ein Witz und kann im gleichen Kontext genutzt werden, allerdings ohne jemandem auf die Füße zu treten. No romo ist also einfach eine witzige Sache, die man sagen kann.

Wer kennt die Folge noch? Patrick hat quasi einen Sqish auf den “Herz-Menschen” -Bis er das Kostüm zerreißt

Warum sollte man sich über das Thema Gedanken machen? Und was sollte man mitnehmen?

  • Asexuell = keine sexuelle Anziehung, Aromantisch = keine romantische Anziehung. Beides sind eigene Spektren, die verschiedene Unterkategorien abdecken, sich aber überschneiden können
  • Man muss sich nicht alle Unterkategorien des asexuellen oder aromantischen Spektrums merken, aber wenn sich jemand innerhalb des Spektrums identifiziert, akzeptiert es einfach. Es tut euch ja nicht weh und betrifft euch noch nicht einmal.
  • Es gibt Aphobie, aber man kann als asexuelle Person auch Opfer von Homophobie und heteronormativen suggestiven und expliziten Beleidigungen werden. Vor allem, wenn man sich über die eigene Sexualität noch nicht im Klaren ist, hilft es bei diesem Selbstfindungsprozess nicht, wenn man homophob beleidigt wird, sondern erschwert diesen nur zusätzlich.
  • Es kann ohnehin kompliziert sein, herauszufinden und zu verarbeiten, dass man ace oder aro ist. Meine Stationen auf diesem Weg waren: Hetero? Nee, Gay? Nee, Bi? Auch nicht, WTF? und dann Ace: Jetzt macht alles Sinn (wohlgemerkt nach 22 Jahren konstanten Hinterfragens)
  • Gerade, weil über Asexualität und Aromantik nicht viel bekannt ist, gibt es viele Klischees, die man ständig hört, sei es die Familie, die meint, man habe nur noch nicht die richtige Person gefunden, oder Menschen, die bezweifeln, dass Asexualität oder Aromantik existieren
  • Die Darstellung von Asexualität in Medien als “nicht menschlich” oder “krank” und Mangel an ordentlicher Repräsentation tragen zur Unwissenheit der Bevölkerung bezüglich Asexualität bei
  • Seid einfach offen und versucht, euch von Heteronormativität zu lösen, das würde alles leichter machen

Eine letzte Sache noch: ich halte selbst nicht viel von Labels, aber sie können helfen, diese komplizierten Themen einzuordnen und Menschen, die noch kein Konzept davon haben, zu erklären, was es bedeutet, asexuell oder aromantisch zu sein.

Gleichzeitig habe ich durch Beschäftigung mit dem Thema gelernt, dass man nicht alles definieren und labeln können muss. Wenn ihr euch mit einem Label wohlfühlt, nutzt es, aber definiert euch nicht darüber und reduziert eure Existenz nicht auf diese eine Eigenschaft. Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen sind viel zu vielseitig und kompliziert, als dass man sie alle genau und treffend bezeichnen könnte, geschweige denn müsse. Nur weil man eine Beziehung nicht labeln kann und diese von der Norm abweicht, nimmt das nicht ihren Wert – Nochmals, You are valid.

Am wichtigsten ist, dass ihr mit euch selbst zu Frieden seid. Seid hauptsächlich ihr selbst und lasst euch nicht von anderen definieren und in der Konsequenz, verhaltet euch gegenüber anderen auf eine Art und Weise, die ihnen ermöglicht, sie selbst zu sein und sich dabei wohl zu fühlen. Es ist schließlich nicht so, als würde es euch schaden, wenn jemand asexuell ist oder wenn jemand sich nicht als männlich oder weiblich identifiziert.

Wenn ihr Fragen zum Thema oder weitere Bemerkungen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare. Ich habe hier versucht, das Ganze einigermaßen verständlich herunterzubrechen und hatte von Vornherein großen Respekt davor, weil ich mich selbst bei Weitem nicht als Experte zu dem Thema betrachte. Daher bin ich offen für konstruktive Kritik, falls es Themen gibt, die ich hier vielleicht vernachlässigt habe.

Wie immer vielen Dank fürs Lesen. Ich freue mich schon auf den nächsten Post. Darin werde ich euch eine meiner Lieblingsserien der letzten Zeit vorstellen und schauen, wie darin das Thema Asexualität verarbeitet wird: Bojack Horseman. Außerdem könnt ihr kommende Woche eine Albumreview erwarten. Bis dann und passt auf euch auf.

-sovlpvnk

Small Disclaimer: I did not create any of the memes in this post and just used them because they fit my text perfectly and helped me to convey some aspects of asexuality and aromanticism. I hope, no one is upset about me using their memes.

Quellen:

AVENwiki: “Aromantic.” AVENwiki, URL: http://wiki.asexuality.org/Aromantic. [12.05.2020].

AVENwiki: “Romantic Attraction.” In: AVENwiki, URL: http://wiki.asexuality.org/Romantic_attraction#Crushes_and_Squishes. [12.05.2020].

Eukaryote Writes Blog (2017): “How many asexuals are there?” In: eukaryotewritesblog, 04.03.2017, URL: https://eukaryotewritesblog.com/2017/02/24/how-many-asexuals-are-there/. [12.05.2020].

Minor Threat ‘Straight Edge.’ First 2 7’’s, Dischord Records, 1984.

Pasquier, Morgan (2018): “Explore the spectrum. Guide to finding your ace community.” In: glaad, 27.10.2018, URL: https://www.glaad.org/amp/ace-guide-finding-your-community. Accessed [12.05.2020].

THE ASEXUAL VISIBILITY & EDUCATION NETWORK. asexuality.org, https://www.asexuality.org/. Accessed 12 May 2020.

Nächstes Mal bei sovlpvnk: Ace-Rep #1: Asexualität in Bojack Horseman

https://sovlpvnk.com/2020/05/30/ace-rep-1-asexualitat-in-bojack-horseman/

Published by sovlpvnk

This is my personal blog about culture and sustainability. It is mainly concerned with topics that I'm interested in, mostly the alternative music scene and its ethics as well as LGBTQIA+ -related topics and veganism. I post my content in English and German.

4 thoughts on “Ace-Rep #0: Ein asexuelles ABC: Was ist Asexualität?

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