Musikreview #2: END – Splinters from an Ever-Changing Face

Genre: Hardcore, 90’s Metalcore, Mathcore, Grindcore

Veröffentlichungsdatum: 5. Juni 2020

Vor fast drei jahren brachte die Supergroup END bestehend aus Mitgliedern von Counterparts, The Dillinger Escape Plan, Misery Signals, Shai Hulud und Reign Supreme ihre erste EP “From the Unforgiving Arms of God” heraus. Dabei handelte es sich um eine extrem harte EP von sechs Songs. Insbesondere “Necessary Death” war für mich ein genialer Track. Von da an hoffte ich, dass irgendwann ein Longplayer herauskommt. Dieser ist jetzt endlich da und es handelt sich um einen perfekten Soundtrack für das Ende der Welt.

“Splinters from an Ever-Changing Face” ist die erste Full-Length-Veröffentlichung der Band und wurde von Will Putney produziert, welcher bereits Alben von Bands wie Knocked Loose und Vein produziert hat. Die Laufzeit beträgt ungefähr 33 Minuten und fühlt sich wie eine Reise zur Hölle an. Die unterschiedlichen Genres in denen die Bandmitglieder tätig sind, werden auf diesem Album offensichtlich und vermischen sich zu einer harten Platte mit Elementen von Hardcore, Mathcore und unter anderem auch Grindcore. In dieser Review werdet ihr sehen, ob es sich lohnt, sie zu kaufen.

Ein Ausflug in die Hölle

Wer Brendan Murphys Band Counterparts kennt, weiß wahrscheinlich, dass sein Schreibstil ziemlich poetisch ist und nicht vor Themen wie Selbstmord, dem Tod allgemein und Selbstverachtung zurückschreckt. Die Texte auf diesem Album sind wie Counterparts auf Steroiden. Sie handeln nicht nur von diesen negativen Themen, sondern schaffen auch eine düstere Atmosphäre, die teils apokalyptisch wirkt. Allerdings wird das Album im Gegensatz zu so mancher Deathcore band niemals sulzig oder cringy, obwohl es einige Anleihen von Deathcore gibt. Darüber spreche ich aber später.

Den Anfang macht der Track “Covet Not”, eine ziemliche Bombe. Nutzt Brendan in Counterparts hauptsächlich seine Mids, so nutzt er bei diesem Nebenprojekt mehr seiner gutturalen Reichweite. Ein heftiger Breakdown wird von einem brachialen Blast Beat gefolgt, der später mehreren weiteren Breakdowns weicht, die sich alle pissig anhören. Dieser Song ist ein guter Startpunkt und erinnert mich stark an “Necessary Death”. Der Text passt zum aggressiven Klang der Musik und schafft eine finstere Atmosphäre: “Dragged through a forest of blunt blades praying for my skull to catch on sharpened leaves’ […] ‘Burn my world away… I am one with rotting flesh”. Diese Zeilen sind ein gutes stück düsterer und beklemmender als in Counterparts-Liedern, teilen aber dennoch deren poetischen Ton.

Das zweite Lied ist nach dem indischen Wort “Pariah” benannt, das einen Ausgestoßenen im Kastensystem beschreibt und führt die dunklen Motive des ersten Songs weiter. Es beginnt mit einem harten Intro und Brendans Lows wie auch die Instrumentals schlagen einem förmlich ins Gesicht. Ab der Bridge eskaliert es zunehmend und auf einen Breakdown folgen melodische Abschnitte, die Counterparts stark ähneln. Diese fungieren als Vorboten des abnormen Breakdowns, mit dem dieser Song endet.

“Absence” startet mit einem atmosphärischen Intro. Dieser ruhige Abschnitt wird von einem treibenden Blast Beat und Deathcore-Riffs gesprengt. “Absence” zeigt, wie dynamisch der Sound dieser Band ist. Sie wechselt innerhalb einzelner Lieder zwischen verschiedensten Rhythmen, welche wiederum einander gegenseitig kontrastieren und betonen. Der Hardcore-Abschnitt dieses Liedes wird von einem Pre-Breakdwon abgelöst, der live die Pits aufreißen dürfte. Der Song endet mit einem bestialischen Breakdown über den Pete Morcey in einem Gastauftritt schreit. Als ob das nicht schon genug wäre, kommt die Überraschung: Wenn man denkt, dass der Song vorbei ist, wird der Breakdown lediglich langsamer und noch härter. Definitiv einer meiner Lieblings-Tracks auf diesem Album.

Der vierte Track heißt “The Reach of Ressurrection”. Nach einem ruhigen Intro mit Sample kickt ein Hardcore-Beat rein und geht in einen melodischen Pre-Breakdown über, der Counterparts ähnelt. Der Breakdown selbst erinnert auch stark an diese Band, ist jedoch keinesfalls ein billiger Abklatsch von dieser. Die Songstruktur ist divers und relativ repräsentativ für das Album. Zudem enthält das Lied eines meiner Lieblingszitate dieses LPs: “A coffin frozen shut buried just below the surface yet nowhere near the reach of resurrection. Unthawed remains clawing at false halos as an exit from the pain”. Diese Zeilen beschreiben äußerste Verzweiflung auf eine greifbare Art und Weise, die in ihrer Drastik einem Horrorfilm ähnelt.

Trotz der enormen Tempowechsel und schwankenden Songstrukturen behält der Longplayer Struktur aufgrund von Samples, die zu Beginn oder Ende einiger Lieder eingespielt werden. Zusätzlich verstärken diese die Atmosphäre dieses bereits apokalyptischen Albums und erzählen gleichzeitig eine Geschichte von Geisteskrankheit und Leiden, welche perfekt zum Ton dieses Werkes passt. Die Stimmen in den Samples sind teils schwer zu verstehen, doch sie behandeln Therapie-Sitzungen und erzählen über den Verlauf des Albums hinweg von diesem Prozess.

“Fear For Me Now” feuert ein Grindcore-Intro durch die Kopfhörer, welcher während der ersten Strophe in upbeat Hardcore übergeht und in einen weiteren Breakdwon mündet. Im Laufe des Liedes wechseln END zwischen Blast Beats und Breakdowns, die einander stark betonen und das ganze Lied noch eine Stufe härter wirken lassen. Die letzten Zeilen “Are you there? You’re sick, you need to come home.” basieren scheinbar auf einem Telefonat zwischen Sänger Brendan und seiner Mutter, in dem er ihr erzählte, dass er nicht länger leben möchte. Das gibt dem Song eine umso beklemmendere Note.

“Fear For Me Now” wurde um die Zeit als Single veröffentlicht. Checkt Brendans Twitter ab. Er ist ein Meme-Lord

Song Nummer sechs hört auf den Namen “Hesitation Wounds” und beginnt mit einem kurzen, ruhigen Intro. Langsam aber hart schlagen die Vocals und Instrumente ein. Die Geschwindigkeit und Stimmung verändern sich und über einen großen Teil des Liedes bahnt sich etwas an. Es fühlt sich die ganze Zeit an, als würde etwas passieren und diese Hoffnung wird nicht um sonst aufgebaut. Die Anspannung steigt bis der Knoten in Form eines enormen Breakdowns platzt. Das ganze endet mit einem ätherisch, fast schon anmutig wirkenden Outro mit atmosphärischen Drums und Ambient-Effekten. Dies ist ein schöner Touch und fühlt sich trotz starkem Kontrast zum Rest des Songs stimmig an.

“Captive To My Curse” ist ein kleiner aber feiner Song mit starken Mathcore-Anleihen, der stark der Band Vein ähnelt. Obwohl es einer der kürzeren Songs des Albums ist und nur 1:48 Minuten dauert, hat dieser Song eine diversere Struktur als manche Alben in der Hardcore-Szene. Wie in früheren Liedern gibt es Übergänge zwischen Blast Beats, Pre-Breakdowns und Breakdowns und mein einziges Problem ist, dass es zu kurz ist. Es fühlt sich so an, als hätte dies einer der besten Tracks des Albums sein können, wenn er nicht zu kurz gehalten wäre.

“Evening Arms” ist interessant. Zunächst fühlte er sich weniger dynamisch an, als die Vorgänger. Allerdings bekommt darin der Bass eine Chance, zu scheinen. Der obligatorische Breakdown fängt langsam an, doch das Schlagzeug nimmt zunehmend an Tempo zu, bis zum nächsten Blast Beat. -Gefällt mir. Ein weiteres ominöses Sample dient als Überleitung zum nächsten Stück.

Als neuntes erscheint “An Apparition”, worin sich Blast Beats mit langsameren Abschnitten abwechseln und für einen härteren Part entschleunigen. Dieser geht erneut in Blast Beats über und zum Abschluss kehrt der Breakdown fürs Outro zurück. Ein weiterer solider Song, allerdings stach er für mich nicht wirklich aus dem Rest des Albums hervor, da alle Lieder solide waren.

Der potentiell schwächste Song auf dem Album ist “Every Empty Vein”, das vorletzte Lied und ein Upbeat-Song, welcher erneut die Dynamik der Band zeigt. Für mich persönlich fühlte er sich im Vergleich mit den früheren Liedern etwas schwächer an. Unter anderem liegt es daran, dass er der kürzeste des Albums ist. Mit 1:44 Minuten Länge, von denen ein großer Teil ein Sample ist, fühlt er sich etwas kurz an. Besonders beim ersten Zuhören war ich von diesem Song etwas gelangweilt um ehrlich zu sein. Ja, alle Lieder sind dynamisch, aber daher fühlten sich insgesamt die auf der zweiten Hälfte des Longplayers etwas schwächer als die ersten vier an. Da alle Tracks dynamisch sind, stechen manche einfach nicht so sehr hervor und “Every Empty Vein” ist ein gutes Beispiel hierfür. Nach mehrfachem Hören konnte ich dieses Lied eher fühlen, aber nach wie vor ist es bei weitem nicht mein Lieblingssong.

Passend zur Gesamtheit des Albums beenden END das Werk auf einer guten Note. Mit “Sands of Sleep” entschleunigt die Band das Ganze und kehrt zur Härte der ersten vier Tracks zurück. Das Intro ballert einem sofort ins Gesicht und danach wird der Song etwas softer. Brendans Highs hören sich hier so an, als wären sie aus größerer Entfernung aufgenommen wurden, was hier zur Atmopshäre beiträgt. Die Ruhe währt allerdings nicht lange, da END von diesem Abschnitt in Richtung 90’s Metalcore umschlagen, wobei Tanner Merritt in einem Gastauftritt Cleans abliefert und dabei von Brendan mit Backing Vocals unterstützt wird. Das Lied baut sich stark auf und eskaliert zum potentiell härtesten Song des Albums. Nach einem schönen Übergang schlägt der “Breakdown des Todes” zu und man hat das Gefühl, man würde zur Hölle fahren. Das Ganze hat ein paar Sludge-Vibes und hat eine bedrohliche Atmospäre. Im letzten Sample erfährt eine Frau, dass sie noch nicht heimgehen kann, da sie krank ist und alles wirkt sehr verzweifelt. – Das perfekte Ende für dieses düstere Album.

Abschließende Gedanken und Bewertung:

“Splinters from an Ever-Changing Face” ist ein solides Debutalbum. END kombinieren Hardcore mit diversen härteren Subgenres, wie Grindcore und schaffen damit eine Bestie eines Albums mit einer hoffnungslosen und finsteren Atmosphäre.

Für mich ist dieses Album eine neun von zehn. Alle Lieder sind solide und insbesondere die Tempowechsel waren interessant. Durch Wechsel zwischen den Extremen (Blast Beats und Breakdowns und anders herum) hebt die Band diese einzelnen Elemente zusätzlich hervor, wodurch das Album noch härter wirkt als es ohnehin schon ist.

Ich will erhlich gesagt nicht wissen, wie oft in dieser Review das Wort “Breakdown” gefallen ist. Das Album hat sehr viele davon und fühlt sich dennoch nicht wie eine bloße Breakdown-Sammlung an. Sie tragen etwas zur Struktur der Songs bei. Wer dadurch Lust auf mehr bekommt, sollte auf jeden Fall das Album hören.

Habt ihr das Album schon gehört und wenn ja, wie fandet ihr es? Schreibt es gerne in die Kommentare. Wie immer vielen Dank fürs Lesen.

Bis zum nächsten Mal.

-sovlpvnk

Mein letzter Post:

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Published by sovlpvnk

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